Sie gehört zu uns Menschen wie das Atmen: die Angst. Sie ist eine ganz natürliche und vor allem wertvolle Emotion. Stellen Sie sich einmal vor, wir hätten keine Angst. Wir würden schnurstracks über eine stark befahrene Straße laufen, mal eben so auf dem Dachsims herumspazieren oder ganz gelassen in eine Schlägerei eingreifen, um zwischen den Beteiligten zu schlichten. Angst schärft die Sinne und bewahrt uns davor, leichtfertig mit unserer Gesundheit beziehungsweise unserem Leben umzugehen. Oder eben auch mit unserem Geschäft und den laufenden Projekten. Wenn es uns gleichgültig wäre, wie das Statusmeeting oder der Vortrag verläuft, dann würde nichts davon gut werden, denn wir würden uns nicht anstrengen in der Absicht, gute Ergebnisse zu erzielen.

Ich habe das vor einigen Jahren einmal im Eigenversuch auf die Spitze getrieben: Ich saß am Rand eines Saales, in dem sich ca. 150 Führungskräfte befanden. Ungefähr zehn Minuten später sollte mein Auftritt erfolgen. Ich widmete dem Geschehen um mich herum ganz bewusst keine Aufmerksamkeit, arbeitete an einem anderen Projektthema und beantwortete einige E-Mails. Dies tat ich bis zur Ankündigung meines Auftritts. Völlig gelassen – quasi in meiner Arbeit unterbrochen – begab ich mich auf das Podium und begann, meinen Vortrag zu halten. Vollkommen angstfrei und beinahe gleichgültig. Dass ich keinen guten Vortrag hielt, muss ich wohl nicht extra betonen.

Angst ist also nichts anderes als ein Signal, dass uns etwas nicht gleichgültig ist, dass wir wollen, dass es gut wird! Ist das als schlecht anzusehen? Nein, ganz im Gegenteil, denn damit haben wir einen aus meiner Sicht wichtigen Perspektivwechsel, um mit der Angst klarzukommen: Wir können sie als etwas Positives, als etwas Nützliches ansehen und sie für unsere Zwecke einsetzen! Und zwar ganz bewusst.

Denn die Angst ist ein wertvoller Energiespender, ein Antreiber, dessen wir uns bedienen sollten. Natürlich dürfen wir es damit nicht übertreiben und in einem Dauerzustand der Anspannung leben, sodass wir vor jeder Projektsitzung Angst haben, vor jedem neuen Kundentermin, jedem Vortrag.

Routine und bereits gemachte Erfahrungen hingegen verleihen Sicherheit und wirken beruhigend: Man weiß, wie es ablaufen wird, hat man es doch bereits Hunderte Male gemacht. Was soll schon schiefgehen? Wer so unterwegs ist, wird in beruflicher Hinsicht nicht mehr wachsen können! Er wird das Leben nicht mehr in sich spüren, den Reiz und das Kribbeln beim Zusammentreffen mit einem neuen Kunden, der Beschäftigung mit einem völlig neuen Thema oder kurz vor dem Halten eines Vortrags, der sich mit etwas befasst, zu dem man sich öffentlich noch nie geäußert hat.

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Nutzen Sie die Angst! Suchen Sie sich bewusst Dinge, die Sie fordern, Dinge, vor denen Sie Angst haben! Es sind die Dinge, denen wir mit einem Unbehagen begegnen, die uns voranbringen:

  • Was müssen Sie tun, um im Projekt effektiver und schneller zu sein? Vor was haben Sie Angst?
  • Wie würden Sie Kunden gerne angehen wollen? So, wie Sie es noch nie getan haben? Bei welcher Vorstellung dreht sich Ihnen der Magen um? Genau das ist der Weg!
  • Auf welche Art haben Sie noch nie Ersttermine gemacht? Keine Präsentationen mehr? Keine Ausführungen mehr zu den eingesetzten Methoden? Klares Pushback an den Interessenten? Den Spieß einmal umdrehen?

Nutzen Sie die Macht der Angst! Machen Sie aus einem vermeintlichen Gegner einen Freund. Mutig zu sein, heißt nicht, angstfrei zu sein. Mit Angst umzugehen, ist reine Übungssache, und da Ihnen nach und nach immer deutlicher wird, dass es die Dinge sind, vor denen Sie Angst haben, die Sie voranbringen, werden Sie ganz bewusst zunehmend genau diese Punkte angehen und sich geradezu einen Sport daraus machen.

Also: Let’s get uncomfortable and enjoy it!

Ihr Matthias Kolbusa

Written by : Matthias Kolbusa

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