Frustationslevel Archive - ConsultingMastery

Nutzen Sie die Defizite Ihrer Kunden

Wenn wir uns heute an einen Tisch setzen und uns über die letzten Jahre unserer Beratertätigkeit austauschen würden, könnte wohl jeder von uns herrliche und unglaubliche Geschichten zu diesem Gespräch beisteuern. Die Dinge, die ein externer Berater in Unternehmen erlebt …

Bestandsaufnahme und erste Eindrücke

Es ging damals um einen Standardauftrag bezüglich der Optimierung von internen Abläufen und einer zeitnahen Steigerung des Umsatzes. Das Unternehmen hatte ca. 25 festangestellte Mitarbeiter und einen Stab von ca. 200 Freiberuflern, die auf Abruf tätig wurden. Mein erster Eindruck war, dass es sich hier um ein typisches, modernes Start-up handelte, welches aus der schwierigen Anfangsphase herausgefunden hat, sich nun eine solide Arbeitsbasis schaffen wollte und zuversichtlich in die Zukunft blickte. Entsprechend jung und dynamisch stellten sich die Mitarbeiter dar und mit diesen Eindrücken begann das Gespräch mit dem Geschäftsführer.

Als dieser nun die Tür des Besprechungszimmers schloss, sank er in sich zusammen und seine Augen schauten trüb zu mir herüber. Er offenbarte mir seine geschäftlichen Ängste und Sorgen und bat mich, wie anfangs genannt, das Geschäft anzukurbeln und die Kasse zum Klingeln bringen. Er stellte mir seine Unternehmensstruktur, seine internen Abläufe und die diversen Monetarisierungsprozesse vor. Alles schien auf den ersten Blick wohl konzipiert und stimmig zu sein. Ich hätte jetzt mein Fachlatein auspacken können, doch das schien mir momentan nicht angebracht. Für mich passte der hoffnungslose Gesichtsausdruck, das junge Team und der gut strukturierte Businessplan nicht zusammen. Ich bot ihm an, die Arbeitsprozesse in der Firma für zwei Tage zu beobachten.

Was mir am nächsten Tag auffiel, war eine äußerst beeindruckende Ruhe in den diversen Arbeitsräumen der Firma. Es wurde wenig gesprochen und das ganze Miteinander sah höchst konzentriert aus. Ich mischte mich unter die Raucher des Unternehmens und verbrachte praktisch den Rest der zwei Tage außerhalb der Firmenräume. Stück für Stück wurde mir nun klar, weshalb Arbeitsabläufe nicht beendet wurden, Deadlines immer wieder verschoben wurden und in Teambesprechungen immer über Probleme gesprochen wurde, aber nie über die Bewältigung von diesen. Ich fand heraus, dass das Frustrationslevel unter der Belegschaft sehr hoch war. Die Tätigkeit, welche ich als konzentriertes Arbeiten identifizierte, entpuppte sich als konstantes Senden und Empfangen von Nachrichten in diversen Chaträumen. Ein Großteil der Belegschaft verbrachte also ca. 70 % des Arbeitsalltags mit Chatten und bewegte sich, meiner Meinung nach, direkt auf ein Bore-Out zu.

Butter bei die Fische

Fassen wir also kurz zusammen: Wir haben ein dynamisches Start-up mit einem hohen Frustrationsanteil der Belegschaft und einer ausgeprägten Hilflosigkeit eines Geschäftsführers. Haben Sie eine Idee? Wie könnten diese beiden Punkte zusammenpassen? Nun gut, das junge dynamische Team war in Wirklichkeit hoch motiviert. Es sollten Ziele erreicht und Veränderungen realisiert werden. Diese Ambitionen prallten nun aber oft zum ersten Mal auf einen Arbeitsalltag und wiederkehrende Routineprozesse. Gerade für junge Arbeitnehmer ist dieser Erstkontakt mit der Arbeitswelt und die Vorstellung, dass so nun das gesamte restlich Leben aussehen soll, schwer zu bewältigen. Also taten sie das, worin die gegenwärtig junge Generation so unglaublich gut ist, sie lenkten sich ab. Die Krux an der Sache ist allerdings, dass dieser Umstand unbedingt behandelt werden muss. Rein psychologisch gesehen, tragen sie eine enorme Enttäuschung mit sich herum, werden nicht aufgefangen und betäuben sich mit Ablenkung.

Der Geschäftsführer war sich dieser Situation nicht bewusst. Er fühlte sich ausgegrenzt, sah all die unerreichten Unternehmensziele und klammerte sich an seine Unternehmensstrategie. Was war hier nun geschehen? Grundsätzlich ein klassischer Fehler, der auch an Hochschulen oft nur nebenbei vermittelt wird. Es ist die soziale Komponente, die diesem Geschäftsführer fehlte. Ich musste ihm vermitteln, dass das Führen eines Unternehmens nicht allein von der Wirtschaftlichkeitsrechnung abhängt, sondern auch, und gerade bei kleinen Unternehmungen, von dem zwischenmenschlichen Kontakt. Wir erarbeiteten gemeinsam ein Konzept, das die Identifizierung mit dem Unternehmen erneut entfachen sollte. Wir nannten es: Wir leben unseren Traum. Dieses Konzept beinhaltete teambildende Maßnahmen, die Wahl von Vertrauensmitarbeitern, regelmäßige Feedback-Gespräche und klare Abläufe des Delegierens.

Rein psychologisch gesehen, tragen sie eine enorme Enttäuschung mit sich herum, werden nicht aufgefangen und betäuben sich mit Ablenkung.

Das Nutzen von Synergien

Über die Jahre meiner Tätigkeit habe ich das Glück gehabt, diverse Trainer und Spezialisten kennenzulernen. Da ich dieses Netzwerk immer pflegte, war es mir jetzt möglich, externe Motivationstrainer, Kommunikationsexperten und Ökonomen mit ins Boot zu holen. Diese Aufstellung machte mich dem Unternehmen gegenüber zu einer Schlüsselperson und somit war es mir möglich, den Kontakt und die Vergabe von Folgeaufträgen über einen Zeitraum von zwei Jahren zu koordinieren. Ich möchte Ihnen verschiedene Dinge ans Herz legen. Nehmen Sie auch kleine Unternehmen ernst, da sich auch aus ihnen konstante Aufträge ergeben können. Leben Sie Ihre professionelle Rolle und machen Sie sich immer wieder bewusst, dass man Sie kontaktierte, um Hilfe zu erhalten. Erstellen Sie ein eignes Netzwerk, dass Sie in Ihrer Kompetenz ergänzt. Auf diesem Weg haben Sie die Möglichkeit, auf die Defizite Ihrer Kunden professionell zu reagieren. Glauben Sie mir, professionell ist nicht derjenige, der alles allein tut, sondern die Person, die jemanden hinzuzieht, der es besser kann.

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