Wenn Dinge schieflaufen: Kritische Beratungssituationen meistern - ConsultingMastery

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Wenn Dinge schieflaufen:
Kritische Beratungssituationen meistern

Ich hatte kürzlich ein Projekt, bei dem es nach dem Kick-off recht bescheiden losging: Das Vorgehen war angesprochen, jedoch nicht wirklich geklärt worden. Das Feedback, das mich danach indirekt erreichte, lautete: „Hm … Was ist der Kolbusa denn für einer? So wie der arbeitet und das hier angeht, passt das zu uns? Wollen wir da mitmachen?“ Es handelte sich also um ein Akzeptanzproblem. Und noch dazu kein offensichtliches, denn bei unserem Zusammentreffen hatte mir niemand etwas gesagt. Was war zu tun?

Bei einem anderen Projekt leistet das interne Projekt-Office nicht das, was es leisten müsste: Analysen werden nicht richtig durchgeführt, was zu peinlichen Situationen im Lenkungsausschuss führt, Dinge werden nicht zügig genug aufbereitet. Es entsteht der Eindruck einer schlechten Performance, obwohl ich meiner Rolle als Experte – als der ich eingekauft wurde – gerecht werde. Aber was hilft der Expertenstatus, wenn im Verlauf des Projekts beim Kunden nicht performt wird und der Economic Buyer unzufrieden wird? Wird er das zu Recht? Es geht um ein Performance-Problem. Auch hier stellt sich die Frage: Was tun?

Oder ich stelle im Verlauf eines Engagements fest, dass die Manager des Kunden, die das Thema ursprünglich richtig voranbringen wollten, nicht wirklich an einem Strang ziehen, sich gegenseitig das Leben schwer machen und sich in ungebührlicher Art und Weise kritisieren. Es entsteht eine Atmosphäre, in der nicht wirklich gute Ergebnisse geliefert werden können. Wiederum heißt es dann: Was tun

Oft finden wir uns in Situationen wieder, in denen wir als Berater wachsen können, um besser, schlauer, selbstbewusster als zuvor aus ihnen hervorzugehen. Egal um was es sich handeln mag: Folgen Sie niemals Ihrem ersten Impuls! Denn der ist durch eine negative Emotion getriggert:

  • Bei dem Akzeptanzproblem könnte die Reaktion darin bestehen, aus reiner Verzweiflung ein neues Kick-off anzuberaumen und das bisherige Vorgehen über den Haufen zu werfen. Oder aus der Angst heraus, dass wir nicht akzeptiert werden, jeden Einzelnen anzurufen und zu fragen, was sie oder er davon hält, wie der Kick-off gelaufen ist, und zu versuchen, es in der Folge allen recht zu machen. Oder, oder … Der erste Impuls birgt nie eine gute Idee!
  • Bei der Low Performance des internen Projektteams könnte mit Blick auf die Sitzung des Lenkungsausschusses am nächsten Freitag der erste Angst-Reflex sein: Dann mach ich es halt eben schnell selber! Wir alle wissen, was „schnell“ in diesem Fall wirklich heißt: dass dafür der ganze Abend und Teile der Nacht draufgehen werden. Keine gute Idee!
  • Ebenso verhält es sich bei dem dritten Beispiel: Die erste Reaktion wird von Angst, Scham, Schuld oder von Verzweiflung getrieben sein (diese sind die „dunkle Seite der Macht“ unserer Primäremotionen, wie ich sie nenne), und so kann es sein, dass man versucht, für gute Stimmung zu sorgen und den einen oder anderen einzeln abzuholen, damit es irgendwie vorangeht. Vielleicht setzt man auch noch einen weiteren Workshop an etc. Auch das ist keine gute Idee!

Eines meiner wesentlichen Learnings bei einem Training mit ehemaligen Soldaten der britischen Spezialeinheit SAS war die Anwendung des Prinzips. Dahinter steckt nichts anderes, als in allen Situationen seine ersten Impulse zu beobachten (Breath), sich sein Ziel noch einmal vor Augen zu führen und zu über-legen, was nun das Klügste ist (Recalibrate), um dann eine bewusste Entscheidung zu fällen – nicht aus einem emotionalen Reflex oder einem Affekt heraus oder auch nur aus purer Faulheit erfahrungsbasiert zu handeln – und das dann auch zu tun (Deliver).

Breath, Recalibrate, Deliver

Das SAS-Training schulte uns darin, in Situationen mit hoher Stressbelastung derart vorzugehen. Ob beim Betreten feindlichen Gebietes, der Erkenntnis, dass die Karte, die einen zum Ziel führen soll, nicht stimmt, oder bei einem Verhör, dem man müde, aus-gehungert und voller Verzweiflung unterzogen wird: Breath, Recalibrate, Deliver – das gezielte Entwickeln mentaler Stärke.

Übertragen auf die oben geschilderte Beratungssituation mit dem Akzeptanzproblem hat dies für mich konkret bedeutet:

  • Annehmen der eigenen Emotionen. Das Spüren von Unsicherheit, nicht versuchen, es zu unterdrücken, das Fühlen und Annehmen der Angst, dass das Projekt direkt nach dem Start in eine Schieflage gerät (Breath). Kein Unterdrücken, kein Handeln aus einem Affekt heraus! „Ah, ich spüre Unsicherheit, ich fühle Angst.“
  • Überlegen, was ich erreichen will. Ich will in hoher Geschwindigkeit die Strategieumsetzung des Kunden voranbringen. Okay: Es gibt ein Akzeptanzproblem mit meinem skizzierten Vorgehen. Dafür kann es mehrere Gründe geben: a) Sie können mich nicht leiden; es ist ein persönliches Problem; b) das Ganze ist zu komplex angelegt gewesen; nur weil das bei anderen Projekten gut funktioniert hat, muss das hier nicht automatisch auch der Fall sein. Vorsicht vor eigener Erfahrungsarroganz! Die gezielte Rückfrage bei zwei Teilnehmern bestätigt die zweite These. (Recalibrate)
  • Ich passe das Vorgehen an, lasse zwei Ergebnistypen weg und nutze eine neue Methode, die mir zur Zielerreichung geeigneter erscheint. Dazu erstelle ich zwei Beispiele und erkläre beim nächsten Termin offen und transparent, was meine Erkenntnis ist und was wir jetzt wie angehen werden. (Deliver)

Welche kritischen Situationen haben Sie erlebt? Wie sind Sie mit ihnen umgegangen? Oder wie hätten Sie es besser machen können (im Nachhinein ist man ja immer schlauer)?

Teilen Sie Ihre Erfahrungen gerne über die Kommentarfunktion.

Ihr Matthias Kolbusa

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