Katastrophenprojekte – wir kennen sie alle. Ob in der IT, ob Kultur- oder Strategieprojekte: Zu oft werden sie zu absoluten Frustveranstaltungen mit aus dem Ruder laufenden Kosten und wenig überzeugenden Ergebnissen, von Nachhaltigkeit einmal ganz zu schweigen. Doch was sind die Ursachen dafür?
Sicher gibt es eine Vielzahl möglicher Gründe, doch meine Erfahrungen haben mir gezeigt, dass es immer wieder gerne die folgenden vier Warnsignale sind, die drohendes Unheil ankündigen.

Verlust von Tempo

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, und leider ist es bei den wichtigsten Projekten in Unternehmen häufig der schale Zauber der nach einigen Wochen verpufften Energie! Wie ein abgestandenes Glas Limonade, das jemand nicht rechtzeitig ausgetrunken hat, dümpelt die Anfangsenergie irgendwo herum – nur nicht mehr im Projekt oder Unternehmen. Wo ist sie hin? Ich kenne Projekte, bei denen eine Firma ein Re-Branding aufwendigst inszeniert hat (Kosten: mehrere zehntausend Euro – kein Scherz!), und nach drei Monaten gab es nur noch ein paar flashige Bilder des rauschenden Festes auf irgendeiner Pinnwand. So funktioniert das mit der Projektenergie nicht. Wer schon Ressourcen mobilisiert, um in eine Energie zu finden, tut gut daran, diese auch zu nutzen. Sonst zünden Sie das Feuer am besten gar nicht erst an. Apropos Energie und Ressourcen …

Keine ausreichenden Ressourcen

Haben Sie schon einmal versucht, mit einem leeren Tank 1.000 Kilometer in Ihrem Auto zu fahren? Sicher nicht! Kein Mensch ist so töricht, wie viele Unternehmen es sind. Da soll am Thema Unternehmenskultur gearbeitet werden mit einer Projektgruppe, die sich alle 14 Tage für drei Stunden trifft. Nur hin und wieder ist ein externer Moderator dabei. Zu 100 Prozent freigestellt wird für dieses Thema niemand. Auch wurde vorher nicht mit dem Managementteam darüber gesprochen, wie das Ganze strategisch angegangen werden soll. Wer soll so arbeiten und im Unternehmen ernsthaft etwas vorantreiben? Ohne Ressourcen geht es einfach nicht! Oder kommen Sie ohne Essen und Trinken klar? „Leerer Bauch studiert nicht gern“, oder wie war das?

Mangel an Entschlossenheit und Übernahme von Verantwortung

Wenn Sie als Management Board, Inhaber oder Vorstand die Dinge vorantreiben möchten, dann sollten Sie sich Folgendes klarmachen: Das ist zu bestimmten Teilen einfach nicht delegierbar. Natürlich ist es grundsätzlich richtig, wenn Sie sich alles vom Hals halten, was Sie nicht selber machen müssen. Wenn Sie jedoch zum Beispiel vorhaben, am Thema Führungskultur zu arbeiten: Nehmen Sie an den entsprechenden Workshops höchstpersönlich teil, denn kein „Berater-Summary“ und kein Reporting kann Ihnen vergleichbare Eindrücke aus Ihrem Unternehmen liefern. Leibhaftige Erfahrungen kann man sich nicht anlesen. Und mehr noch: Ihre Belegschaft wird es Ihnen hoch anrechnen, wenn Sie aus Ihrem Elfenbeinturm herabsteigen und in Kontakt mit Produktion, Verwaltung und Vertrieb treten, um selbst zu erfahren, wie es um den Pulsschlag und den Blutdruck in den Niederungen Ihrer Organisation tatsächlich bestellt ist.

Keine Arbeit an Strukturen

Die meisten Change-Projekte erfordern auch am Formalsystem der Organisation Veränderungen. Systeme, Strukturen und Prozesse müssen angepasst und weiterentwickelt werden, damit das Unternehmen bemerkt, dass andere Verhaltensweisen als die der Vergangenheit nun wirklich auch „schwarz auf weiß“ erforderlich sind. Wer keinerlei Bereitschaft hat, ebenfalls in diese Richtung zu denken und die Dinge wirklich anzupacken, wird scheitern.

Written by : Matthias Kolbusa

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